Matthias Politycki

Porträt des Schriftstellers Matthias Politycki
© Mathias Bothor

Matthias Politycki, 1955 geboren, schreibt, seitdem er 16 ist, und wurde schon mit seinem opulenten Romandebüt als »Formfex im Sprachfels« (Die Welt) gefeiert. Sein Werk besteht heute aus über 30 Büchern, darunter Romane, Erzähl- und Gedichtbände sowie vielbeachtete Sachbücher und Reisereportagen. Er gilt als großer Stilist und ist einer der vielseitigsten Schriftsteller der deutschen Gegenwartsliteratur. Sein Weiberroman, eine Hommage an die 70er und 80er Jahre, ist eines der zentralen Werke der literarischen Postmoderne; als »einer der schönsten Schelmenromane unserer Zeit« (Radio Bremen) wurde seine Kreuzfahrtsatire In 180 Tagen um die Welt zum Bestseller. Sieben Jahre nach seinem als »wahrer Monolith« (Stern) gefeierten Roman Samarkand Samarkand erschien 2019 sein großer Roman Das kann uns keiner nehmen, für den er um ein Haar in Afrika gestorben wäre

www.matthias-politycki.de


Das kann uns keiner nehmen

Roman, 2020
Hoffmann und Campe, ISBN: 978-3-455-00924-8
304 Seiten, €16,99

Am Gipfel des Kilimandscharo: Hans, ein so zurückhaltender wie weltoffener Hamburger, ist endlich da, wo er schon ein halbes Leben lang hinwollte. Hier, auf dem Dach von Afrika, will er endlich mit seiner Vergangenheit ins Reine kommen. Doch am Grunde des Kraters steht bereits ein Zelt, und in diesem Zelt hockt der Tscharli, ein Ur-Bayer – respektlos, ohne Benimm und mit unerträglichen Ansichten. In der Nacht bricht ein Schneesturm herein und schweißt die beiden wider Willen zusammen. Es beginnt eine gemeinsame Reise, unglaublich rasant und authentisch erzählt, wie das nur Politycki kann, gespickt mit absurden und aberwitzigen Abenteuern. Als sich die beiden schließlich die Geschichte ihrer großen Liebe anvertrauen, erkennen sie, dass sie mit dem Leben noch eine Rechnung offen haben. Doch der Tod fährt in Afrika immer mit, und nur einer der beiden wird die Heimreise antreten.


Samarkand Samarkand

Roman, 2013
Hoffmann und Campe Verlag, ISBN 978-3-455-40443-2
400 Seiten, €22,99

Er hat keinen geringeren Auftrag, als die zivilisierte Welt vor dem endgültigen Untergang zu retten: Alexander Kauf­ner, ehemaliger Gebirgsjäger und Grenz­gänger, reist bis ins zentral­asia­tische Samarkand, um dort als Agent des Westens eine geheimnis­volle Kultstätte zu finden, von der ein jahrhundertealter Zauber auszugehen scheint. Doch können Erfolge in einem Krieg, der seit Jahren tobt, können Sieg oder Niederlage tatsächlich von einem Haufen heiliger Knochen abhängen? Zusammen mit seinem Bergführer Odina, der ihm durch den Ehrenkodex seines Stammes verpflichtet ist, und beschützt durch das wunderliche Mädchen Shochi, das über die unheimliche Gabe verfügt, die Zukunft träumen zu können, durchwandert Kaufner die gewaltige Bergwelt Zentralasiens. Schritt für Schritt gerät er dabei tiefer ins Herz einer Finsternis, beherrscht vom „Gesetz der Berge“, das keine Indizienbeweise kennt. Und gerät dabei zusehends in einen Wettlauf auf Leben und Tod, nicht zuletzt gegen sich selbst.
Samarkand Samarkand ist literarischer Abenteuerroman, Liebes- und Untergangsroman zugleich. Geschichtenprall und bildmächtig erzählt er von Freundschaft und Selbstüberwindung, von Opferbereitschaft und der Konfrontation mit der Fremde, in der die großen existentiellen Fragen neu gestellt werden.


In 180 Tagen um die Welt

Das Logbuch des Herrn Johann Gottlieb Fichtl, 2008
marebuchverlag, ISBN 978-3-86648-080-3
384 Seiten, €24,90

„Fonsä, Veit, Wolfi, Zenz! Wenn ich’s nicht mit eignen Augen gesehen hätte, ich würde’s schier selber nicht glauben.“ Wer eine Reise auf dem besten aller Kreuzfahrtschiffe macht, der hat etwas zu erzählen; wer sie als einfacher Finanzbeamter aus dem bayerischen Oberviechtach antritt, den ein Lottogewinn an Bord geführt hat, der kommt aus dem Staunen so schnell nicht mehr heraus: Johann Gottlieb Fichtl, von seiner Tippgemeinschaft mit Motivkrawatten und einem „Aldi-Smoking“ aus dem Fundus des Bürgermeisteramtes für seine Reise ausgestattet, macht sich auf, die Welt im allgemeinen und – vom Penthousedeck bis hinunter in die Pumpensümpfe – die der Europa im besonderen zu erkunden.


Weiberroman 

Historisch-kritische Gesamtausgabe, 1997
Luchterhand(vergriffen), ISBN: 3630869718
Hoffmann und Campe, neu aufgelegt, ISBN: 9783455400526
420 Seiten, €19,99

Sie müssen von jeder Generation immer wieder neu erzählt werden, die Liebesgeschichten, und zwar dringend. Zum Beispiel die von Gregor Schattschneider, dem 17jährigen „Vollromantiker“, der die blonde Kristina aus der Foto-AG anhimmelt und nicht wahrhaben will, daß die ganze Kleinstadt in das Mädchen mit der blitzenden Zahnspange verliebt ist. Oder die des Teilzeitstudenten Schattschneider in Wien, der sich lieber in Teufels Küche begibt, als der in jeder Hinsicht entwaffnend direkten Tania zuzugeben, wie sehr er sie mag, nein: liebt, nein: viel mehr noch. Oder die des Mittdreißigers Schattschneider in Stuttgart, der die schöne, deneuve-hafte Katarina verehrt und bewundert, aber das Begehren verlernt, sobald das Zusammenleben mit ihr das Gewohnte, das Gewöhnliche geworden ist.
Gemeinsam ist den drei Liebesgeschichten nur eines: sie gehen noch übler aus als von Schattschneider befürchtet.  In schönstem Selbstbetrug schreibt er sie um, seine Katastrophen, und wir, die Leser, durchschauen seinen Arbeitstitel Weiberroman nicht nur als Maskerade, sondern merken sehr bald, was Schattschneider nicht bemerken wollte oder konnte: wie sehr sich  dieser Selbstverhinderer vor seinem Glück versteckt, wie sehr er gelebt und geliebt hat, trotz allem.


Aus Fälle/Zerlegung des Regenbogens

Ein Entwickelungsroman, 1987
Weismann (Kunstmann), ISBN 3-88897-028-8
1122 Seiten 

Thema des Romans ist der Roman.  Das heißt Thema des Romans ist der König von Thule, also der Kaiser von China.  Das heißt Thema des Romans sind die „Farben der Vokale“, derjenigen nämlich aus Worten wie T d, BI“te, Zusamm nhang … Wohin zum Beispiel rutscht das e aus dem (üblicherweise erwarteten Text-)Zusamm nhang? – In den Entwicklungsroman, dessen 13 verschiedene Aus Fälle sich an der stets gleichen Alltagssituation entzünden: „Der Mensch geht aus dem Haus.“ Das heißt genau genommen sind es bloß zwölf Aus-dem-Haus-Fälle, ein Kapitel ist vom Leser erst noch zu schreiben.  Das heißt genau genommen: von Ihnen, denn der (herkömmliche) Leser wird im 11. Kapitel ja ermordet, das heißt erm rdet – natürlich mit einem o. Wie das Kapitel übrigens auch, das heißt: Ob dieses selbst oder gar sein Bruder erm rdet wird, der gesamte Roman, das erscheint nach einmaliger Lektüre noch ebenso „undurchsichtig“ wie die Farbe der M rdwaffe: ist sie grün oder papierweiß?