globale°: Wassyla Tamzali – Eine zornige Frau

Sa, 06. November 2021
11.00 Uhr

Institut français Bremen

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In der Debatte um Identitätspolitiken setzt die algerische Feministin Wassyla Tamzali dem Mythos der kollektiven Identität die Erinnerung an den Kampf für Freiheit und Gleichheit entgegen. Sie verteidigt den universalistischen Feminismus der Gleichberechtigung gegen kulturalistische und postmoderne Einschränkungen. Ihre besondere Kritik gilt jenem Teil der europäischen Linken, die die Ideale und Ziele der Revolte von 1968 vergessen haben und sich kulturrelativistischem Denken ergeben. Vermeintlich postkoloniale Diskurse haben in Algerien und Frankreich – wie auch in Deutschland – zu einer Stärkung orthodox-religiöser und fundamentalistischer Positionen und Gruppen geführt. Dass viele europäische Feministinnen heute einem Kulturrelativismus folgen, ruft bei der Feministin Tamzali das Gefühl hervor, „zur Einsamkeit verurteilt“ zu sein. Ihr Buch ist daher als Aufruf an die europäischen Freund*innen zu verstehen, ihr koloniales Schuldgefühl zu überwinden und den gemeinsamen Kampf für die unteilbaren Allgemeinen Menschenrechte weiter zu führen.
Tamzali schreibt darüber, wie der Begriff der „Vielfalt“ die Vorstellungen von Gleichheit und Demokratie ersetzt, über „moderate“ Vorzeigemuslime, über den patriarchalischen muslimischen Eros, über den Schleier und über ihre Erinnerung an den Tag der Unabhängigkeit, an dem die Frauen – von Schleier und Kolonialismus befreit – mit im Wind wehenden Haaren zu Hunderten auf den Straßen tanzten.

Eine der wichtigsten Stimmen im maghrebinischen Feminismus ist die von Wassyla Tamzali. Aus einer politisch engagierten Familie der bürgerlichen Oberschicht Algiers stammend, hat sie zuerst als Anwältin gearbeitet, bevor sie bei der UNESCO Leiterin eines Bereichs wurde, der gegen Verletzung von Frauenrechten kämpft. Als Publizistin und Autorin setzt sie von Algier aus ihren Kampf für Frauenrechte, für Demokratie, Freiheit und Laïzität fort.


Nähere Informationen: > globale-literaturfestival.de
Moderation: Elisabeth Arend

Die Veranstaltung findet in deutscher und französischer Sprache statt.