Verlockung Weltall - Sonderausstellung im Auswandererhaus Bremerhaven

Die aktuelle Sonderausstellung des deutschen Auswandererhauses in Bremerhaven steht unter dem Titel Verlockung Weltall. Neben den naturwissenschaftlichen und technischen Aspekten, die zum Thema Weltraumerkundung gehören, wirft die Ausstellung außerdem ein Licht auf die bisher eher vernachlässigten gesellschaftlichen Themen, die von der Erkundung und potentiellen Besiedelung des Weltraums betroffen sind. Ylvie Scheufele hat sich vor Ort umgesehen.

Die Ausstellung wird eröffnet mit einer Auswahl an Bildern, die Kinder unterschiedlichen Alters zum Thema Weltall gemalt haben. Mir ist dabei direkt aufgefallen, dass die älteren Kinder eine eher düstere Auffassung vom Thema Weltall verbildlichen. Ob das in der Ausstellung auch so aufgegriffen wird? Mal schauen, was mich so erwartet! 

Das Bild zeigt eine Rakete und verschiedene Zeichnungen.
© Ylvie Scheufele

Beim Gang in den nächsten Raum, ist mir zuerst ein winzig kleines Objekt ins Auge gesprungen – ein sogenannter Adorant. Dabei handelt es sich um eine Schnitzerei aus Mammutelfenbein, die einen Menschen zeigt, der seine Arme in den Himmel streckt. Dies soll verdeutlichen, dass die Menschheit sich schon seit frühen Tagen mit der Faszination des Himmelsraums beschäftigt. Weiter geht’s mit dem Hauptteil der Ausstellung, der in drei Bereiche unterteilt ist: die Verlockung, das Überleben und die Besitztümer. Unter dem Kapitel Verlockung beschäftigt sich die Ausstellung mit der anfänglichen Faszination, die die Menschheit am Weltall entwickelt hat. Dabei orientiert sich die Ausstellung unter anderem an einigen literarischen Werken, die diese Faszination widerspiegeln. Neben der frühesten bekannten Weltraumerzählung – die wahren Geschichten des Lukian – finden sich hier zudem Werke wie Krieg der Welten wieder. 

Inwiefern ist es überhaupt möglich, auf einem anderen Himmelskörper zu leben? Im zweiten Abschnitt, in dem es um das Überleben im All geht, findet sich unter anderem das Model eines Weltraumhabitats. Auch hierfür finden wir verschiedene literarische Perspektiven. Darunter die Marstrilogie von Kim Stanley Robinson, die sich mit dem Ökosystem des Mars als potentielles für uns Menschen beschäftigt. Ein weiteres spannendes weniger bekanntes Buch ist das Werk AfroSFv3, das in gesammelten Kurzgeschichten die afrikanische Perspektive auf die Vorstellung der Zukunft der Menschheit beleuchtet. Im dritten Teil, der sich auf Besitzansprüche im Weltraum bezieht, beschäftigt sich die Ausstellung mit der Perspektive, dass das All nicht einer einzelnen Nation, sondern nur der gesamten Menschheit gehören kann. Eine interessante Dimension, die auch die Einstellung Deutschlands zu dem Thema darstellt. Auch in diesem Abschnitt wird auf spannende Literatur hingewiesen: von Klassikern wie Jules Vernes Von der Erde zum Mond bis zu neueren Erscheinungen wie Unsere Zukunft steht in den Sternen von Kelly und Zach Weinersmith beschäftigt sich dieser Abschnitt mit der potentiellen Besiedelung des Mars. 

Das Bild zeigt eine Raumstation mit pinkem Licht.
© Ylvie Scheufele
Das Bild zeigt verschiedene Kunstinstallationen.
© Ylvie Scheufele

Nach diesem sowohl literarischen als auch technischen ersten Teil der Ausstellung, kommen im zweiten Bereich zudem alle Kunstliebhaber*innen auf ihre Kosten. Dort findet sich nämlich eine Installation von zehn verschiedenen künstlerischen Perspektiven auf das Thema Weltraum und dessen Erkundung. Von abstrakten Kunstwerken, über Sound-Installationen bis hin zu Videodarstellungen, ist für jede*n etwas dabei. Ich konnte bei meinem Besuch der Ausstellung und vor allem der sehr informativen Führung viele neue Perspektiven gewinnen und war vor allem von der dichten literarischen Repräsentation positiv überrascht. 

Noch bis zum 07. Januar 2026 kannst du dir die Sonderausstellung anschauen. Es lohnt sich auf jeden Fall, einen Blick zu den Sternen zu werfen und dir die perspektivenreiche Ausstellung im Auswandererhaus anzusehen!

Das Deutsche Auswandererhaus

in Bremerhaven erzählt die realen Geschichten jener, die im 19. und 20. Jahrhundert von Bremerhaven aus einen Neuanfang am anderen Ende der Welt wagten, wie auch die jener, die in Deutschland eine neue Zukunft für sich suchten. Originalgetreue Rekonstruktionen historischer Orte, persönliche Erinnerungsobjekte und reale, detailreiche Biographien laden in der 2021 komplett erneuerten und erweiterten Dauerausstellung dazu ein, tief in 330 Jahre Ein- und Auswanderungsgeschichte einzutauchen. Die Besucher*innen treten interaktiv und multimedial in die Fußstapfen realer Auswander*innen aus ganz Europa auf ihrem Weg nach Übersee und sehen, wie diese ihren neuen Alltag gestalteten. 

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© Deutsches Auswandererhaus/ Foto: Werner Huthmacher

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