Was passiert, wenn man in seinem eigenen Körper gefangen ist? Oder der eigene Körper das vermeintliche Kapital ist, aber etwas Unvorhersehbares geschieht?
Liz Moore geht in ihrem Roman Der andere Arthur diesen und weiteren Fragen nach. Im Zentrum der Geschichte stehen zwei Charaktere, die auf unterschiedlichste Weise in ihren Körpern gefangen sind und gleichzeitig auf sie angewiesen sind, um ihrer momentanen gesellschaftlichen Situation zu entkommen. Arthur Opp ist ehemaliger Literaturprofessor und hat die Kontrolle über sein Leben verloren. Seitdem er seinen Job verloren hat, hat er sein Haus seit mehreren Jahren nicht mehr verlassen und gewaltig zugenommen. Jeder Schritt in seinem gewaltigen Körper ist einer zu viel. Aus Angst vor den Blicken der Gesellschaft verbringt er seine Stunden Einsamkeit. Sein einziger Lichtblick? Sporadischer Briefkontakt zu einer ehemaligen Studentin, doch auch dieser bricht irgendwann ab. Nur 30 Kilometer entfernt kämpft Kel um seinen Schulabschluss und die Chance auf ein Sportstipendium. Doch während er um seine Zukunft ringt, ist er gefangen in der Angst um seine kranke Mutter. Als sich Kels Mutter mit einem Hilferuf an Arthur wendet, nimmt die Geschichte Fahrt auf.
Ihre Unsicherheiten resultieren aus dem Wechselspiel zwischen den Erwartungen der Gesellschaft, Außenseitertum sowie dem Wunsch dazuzugehören. Bei einem ist der Körper die große Chance, sich freizuschwimmen, dazuzugehören und gesellschaftlich aufzusteigen, beim anderen führt ein Ereignis dazu, dass der Körper gefühlt zum Ausschlusskriterium wird. Moore erzählt von Identität und der Kraft zu sich selbst zu stehen in einem Umfeld ohne klare Orientierungspunkte. Von Scham und Außenseitertum sowie dem Wunsch von Zugehörigkeit, in einer Welt, die zumeist nicht hinter die Fassade blickt. Leise Töne von Zuversicht weben sich in die dunklen Stunden ein. Ein Roman über das leise Scheitern, das Ringen um Selbstakzeptanz und die Frage, wie man mit einem sensiblen Inneren in einer lauten Welt überlebt.
Nantke Penner
DER ANDERE ARTHUR | Liz Moore | Übersetzung: Cornelius Hartz | ROMAN C. H. Beck | München 2026 | 377 S. | €26,00
Nantke Penner
schreibt auf ihrem Instagram-Account @coffeecakesandbooks seit mehreren Jahren über Literatur. Diese ist vor allem momentan die größte Quelle, um ihr Fernweh zu stillen. Um es mit Jean Paul zu sagen: „Bücher lesen heißt, wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben, über die Sterne.“ So fliegt sie durch die Seiten, um in neue Welten einzutauchen und verschiedene Blickwinkel kennenzulernen. Seit einiger Zeit entdeckt sie gerne neue Stimmen der Literatur – vor allem mit Fokus auf Autorinnen.
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