Tamara hat einen Buchvertrag, aber leider keine Zeit, das Manuskript zu verfassen. Kayla hat mehrere Jobs und trotzdem kein Geld. Sad-Linas Beziehung ist keine Gewaltbeziehung im engeren Sinne. Alle drei sind Britinnen, alleinerziehend und auf schicksalhafte Weise mit der ‘schrecklichen Antje’ befreundet. Man verabredet sich regelmäßig zum gemeinsamen Essen. Dieser Supper Club trifft auf eine Gruppe junger, hipper alleinerziehender Mütter, die einen deutlich sorgloseren Umgang mit Drogen, Vorurteilen und Kriminalität haben.
Jacinta Nandi hat ihre ersten literarischen Schritte auf Lesebühnen gemacht und das merkt man. Besonders in den Dialogen. Die sind abenteuerlich nah am Leben und jede Pointe sitzt. Das Gespräch über Steuerklassen in Deutschland zum Beispiel, in dem eine der jüngeren Mütter, den anderen rät, ins Finanzamt zu gehen und ganz selbstbewusst die beste Steuerklasse zu verlangen. Nicht die mickrige für alleinerziehende Frauen, sondern die beste, die es gibt. In einem anderen Gespräch erklärt die ‘schreckliche Antje’ den nicht in Deutschland Aufgewachsenen, dass man Kinder auf die Schule vorbereiten muss, indem man ihnen jeden Abend eine möglichst langweilige Geschichte vorliest.
In dieser Weise wurschteln die Figuren sich durchs Leben. Sie tun Dinge, die erziehungs- und lebensführungstechnisch nicht ideal sind. Aber sie leben auch in einer nicht-idealen Welt und finden sich darin auf völlig unkonventionelle und sehr unterhaltsame Weise zurecht.
Jacinta Nandi ist ein lustiges und originelles Buch gelungen. Dabei erspart sie den Leser*innen und ihren Figuren auch die Themen nicht, die unsere Zeit aktuell so ungemütlich und bedrohlich machen.
Henriette Dyckerhoff
SINGLE MOM SUPPER CLUB | Jacinta Nandi | ROMAN Rowohlt Hundert Augen Verlag | Hamburg 2025 | 320 S. | € 24,00
Die BücherFrauen
Henriette Dyckerhoff ist seit 2006 aktives Mitglied der BücherFrauen. Als freie Kreative arbeitet sie für verschiedene Einrichtungen des Literaturbetriebs. Sie schreibt, lektoriert, unterrichtet, moderiert und organisiert Literaturveranstaltungen. Mehr zu Henriette Dyckerhoff
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