Neuer Bremer Verlag für Debüts: SALZ + ROCK

Die Bremerin Dorothea Salzmann-Schimkus hat mit ihrem Verlagspartner Christian Rock aus Berlin gemeinsam einen Verlag gegründet: SALZ + ROCK gibt es jetzt seit 2024. Im Interview mit Annika Depping erzählt sie mehr von der Idee und den Zielen.

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Wie seid ihr auf die Idee gekommen einen Verlag zu gründen?

Ich bin seit langer Zeit in einer Schreibwerkstatt von Jutta Reichelt, bestimmt zehn oder zwölf Jahre. Im Laufe der Zeit haben zwei von vier Teilnehmenden und Jutta selbst begonnen, mit fertigen Manuskripten auf Verlagssuche zu gehen. Da habe ich festgestellt, wie schwierig das ist. Eigentlich sollten und könnten wir das selbst machen, haben wir damals gesagt. Anfangs war das nur ein Scherz, aber die Idee hat sich bei mir festgesetzt. Die Verlagsgründung fühlte sich riesig groß an. Mein Schwiegersohn in Berlin meinte aber: Das machen wir! Mit ihm habe ich mich dann getraut. Am 15. Juli 2024 haben wir also unseren Verlag gegründet. Zuerst fühlte sich das an wie ein Spiel. Dann kam das erste Manuskript, Carina ist damals durch einen Post auf Instagram auf uns aufmerksam geworden.

Euer erstes Buch war ein Kinderbuch, Die kleine Note Fips. Könnt ihr euch auf ein Genre festlegen?

Nein, das hätten wir nie geschafft und im Laufe dieses Jahres werden bei uns darum auch drei Romane erscheinen, der erste jetzt bald im April. Unser Fokus liegt auf den Debüts. Wir wollen Schätze suchen und Chancen geben. Dieses Jahr im August erscheint dann auch ein erster Roman aus meiner Schreibgruppe. Das ist besonders toll, denn der ist schon richtig weit und ich kenne ihn von Anfang an. Außerdem freuen wir uns, dass wir voraussichtlich im Herbst einen Fantasy-Roman aus Berlin veröffentlichen können – also wirklich eine bunte Mischung!


Wir wollen Schätze suchen und Chancen geben. 


Wie sind bei euch im Verlag denn die Aufgaben verteilt?

Ich koordiniere die Verlagsarbeit und bin für das Marketing zuständig. Mein Schwiegersohn Chris kümmert sich um die Gestaltung, den Satz und hält den Kontakt zur Druckerei. Meine Familie macht hier in Bremen die Auslieferung, mein Sohn in Berlin Social Media, meine Tochter Clara hat das Cover des neuen Romans gestaltet. Die ganze Familie ist also involviert, aber das hat nicht viel verändert – außer der Kontakt zu meinem Schwiegersohn, der ist viel intensiver geworden. Ansonsten ist der Verlag für uns noch mehr ein Hobby als ein Beruf. Wenn sich das mal ändern sollte, müssen wir klarere Grenzen ziehen. Bis jetzt kann man das aber noch gar nicht planen. Aber ich habe Lust, Dinge auszuprobieren. Auf Lesungen setze ich zum Beispiel viel. Ich organisiere gerne Veranstaltungen auch an ungewöhnlichen Orten. Es gibt viele Kanäle, die wir bisher nicht ausgeschöpft haben, und die sind für jedes Buch wieder anders. Durch meinen Arbeitshintergrund bringe ich Routine mit, was Veranstaltungen betrifft. Für Die kleine Note Fips hatten wir eine schöne, runde Buchpremiere und viele gute Rückmeldungen von Eltern und Kindern.

Wie mutig muss man sein, um einen Verlag zu gründen?

Mut und Lust haben bei uns überwogen, aber wir haben auch nichts aufs Spiel gesetzt und sind kein Risiko eingegangen. Natürlich mussten wir Geld in den Verlag stecken, das schon, aber keine großen Summen. Bisher ist der SALZ + ROCK Verlag wie ein Testballon, der sich bewähren kann. Das war mir von Anfang an wichtig. 

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Mit welchen Akteur*innen arbeitet ihr in Bremen zusammen?

Wir arbeiten mit vielen Buchhandlungen zusammen und haben Kontakt mit vielen sehr rührend engagierten Betreiber*innen, die uns unterstützen. Natürlich merken wir auch, dass die Buchhandlungen kämpfen – einige sind von der Schließung bedroht. Aber wir freuen uns über die Vernetzung, auch mit Verlagen und Autor*innen. In Bremen fehlt uns nur noch ein offener Veranstaltungsort, wie wir das aus Berlin kennen. Da haben wir wirklich Glück, dass wir in zwei relativ großen Städten agieren können, weil mein Schwiegersohn Chris in Berlin lebt. Auch durch den Berliner Buchhändlerclub geschieht zum Beispiel ganz viel Vernetzung. Wir freuen uns darauf, hier in Bremen auch noch weiter in der Literaturszene anzukommen.

Dafür drücken wir natürlich die Daumen! Vielen Dank dir für das Interview, liebe Doro.

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