Urachus – ein fremd klingendes, beinahe beunruhigendes Wort. Dahinter verbirgt sich eine medizinische Diagnose, eine seltene krankhafte Abweichung, die Frauen betrifft und oft über Jahre hinweg Schmerzen im Unterleib verursacht. Krankheiten literarisch zu verarbeiten, ist noch immer ungewöhnlich. Insbesondere, wenn es um weibliche Leiden geht, die allzu oft Tabu bleiben. Simone Falk durchbricht dieses Schweigen. Mit großer Offenheit gewährt sie ihren Leserinnen und Lesern einen intimen Einblick.
Gleichzeitig entfaltet sich ein zweiter Erzählstrang in diesem dicht verwobenen Text: die Akzeptanz, ja beinahe die Faszination des Älterwerdens. Die Zeichen der Zeit – Langsamkeit, schwindende Erinnerungen, sich vertiefende Falten – werden nicht nur benannt, sondern in ihrer ganzen Ambivalenz erfahrbar gemacht.
Die Sprache bewegt sich dabei zwischen greifbarer Realität und traumähnlichen, mitunter surrealen Sequenzen – wie in einem fiebrigen Zustand, in dem Wahrnehmung und Wirklichkeit ineinanderfließen. So entsteht eine eindringliche Hommage an die menschliche Zerbrechlichkeit und an den unaufhörlichen Kreislauf der Natur.