Aus Geschichte werden Geschichten

Aktenordner
© Rike Oehlerking

Jedes Jahr entwickeln Geschichtsstudierende der Universität Bremen gemeinsam mit der Bremer Shakespeare Company eine szenische Lesung in der Reihe Aus den Akten auf die Bühne. Die Themen – zum Beispiel Arbeitserziehungslager oder die Irrfahrt der MS St. Louis – fliegen den Macher*innen zu und Material gibt es reichlich: Die Studierenden wühlen sich durch die Archive, die zum Glück inzwischen oft auch digital zugänglich sind.

Peter Lüchinger von der Bremer Shakespeare Company ist dann dafür zuständig, aus dem Material eine Dramaturgie zu entwickeln. Die Texte werden geschnitten und in eine Reihenfolge gebracht, in der sie einen erzählerischen Bogen erhalten: „Das Wort kriegt dann Kraft“, sagt Peter Lüchinger. Insbesondere, wenn private Zeugnisse wie Briefe auf die Bühne kämen, seien Akten alles andere als staubig.

„Auf der Bühne hat das eine größere Wirkung, eine größere Wucht.“

In den szenischen Lesungen dürfen die Akten für sich sprechen. Die Schauspieler*innen legen nur wenige Emotionen in ihren Vortrag. Trotzdem ist die Wirkung groß: „Das kommt näher, als man sich das wünscht“, sagt Lüchinger. Auch im digitalen Format übrigens. Über Zoom funktionieren die Lesungen interaktiv und in gekürzter Form. Die Zuschauer*innen können Fragen stellen und bekommen die Akten direkt ins Wohnzimmer geliefert.

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