Seit Mai 2025 bereichert der Kwanzaa Book & Coffee Shop die Bremer Kulturszene - und ist weit mehr als nur ein Buchladen mit Café. Hinter dem Namen verbirgt sich ein lebendiger Begegnungsort, an dem Literatur, Kreativität und direkter Austausch der Schwarzen Community in Bremen zusammenfinden. Im Gespräch hat Janin Rominger erfahren, was Kwanzaa so besonders macht.
Hallo Kwanzaa, ihr seid Mitveranstalter*innen des Black Story Month in Bremen, ihr bezeichnet euch selbst als queerfeminist, decolonial und global majority Bookshop und ihr seid als Kollektiv organisiert. Mögt ihr erzählen, seit wann es euch gibt, wie und warum es zur Gründung von Kwanzaa gekommen ist?
Den Kwanzaa Book & Coffee Shop in seiner aktuellen Form gibt es seit Ende Mai letzten Jahres. Am 26.05.2025 haben wir unsere Eröffnung gefeiert! Der Ort an sich ist jedoch bereits seit geraumer Zeit in unseren Händen. Wir haben als Kollektiv gestartet, damals noch mit der Idee einen Ort zu schaffen, der für Community und Gemeinsamkeit steht. Wir hatten viele verschiedene Ideen, die einen wollten einen kreativen Co-Working Space schaffen, die anderen einen Veranstaltungsort für Kunst und Kultur, wiederum andere waren einfach glücklich ein Teil des Kollektivs zu sein und mit neuen Menschen und Communities zu connecten. Community war und ist noch immer unser Leitziel, unsere Verbindung zueinander.
Kwanzaa ist aus dem Fehlen von Repräsentationen entstanden. Als Black Owned Business sind wir in Bremen der einzige Buchladen mit dem Fokus auf Black Story, African Descent und Global Majority. Nicht, weil wir die Ersten sein wollten oder eine Marktlücke entdeckt haben, sondern weil die Kulturlandschaft in Bremen (und besonders im Viertel) sehr weiß geprägt ist, ebenso wie die Literatur- und Verlagslandschaft in Deutschland.
Es ist eine Sache von Zugängen und Sichtbarkeit, die uns als Kollektiv und als Kwanzaa Team täglich umhertreibt. Wessen Bücher werden ins Schaufenster gestellt? Wer wird zu Lesungen eingeladen? Welche Themen sind gesellschaftlich leicht verdaubar und welche ecken an? Vor allem die Sichtweisen und strukturellen Erfahrungen von unseren Siblings werden zu oft unsichtbar gemacht. Mit der Gründung von Kwanzaa haben wir gleich zwei Zeichen gesetzt: Erstens, wir sind kein gesondertes Regal, das weiter hinten im Laden steht und nur im Februar kurz entstaubt wird, zweitens, wir nehmen uns den Platz, der uns zusteht.
Was unterscheidet euch von anderen Buchhandlungen in Bremen?
Zum einen unsere Themenschwerpunkte, welche durch unsere Auswahl an Büchern und Kunst deutlich werden, zum anderen unser Verständnis von Community. Wir verstehen uns nicht als reinen Buchladen, der standardmäßig Bücher verkauft, sondern nach wie vor als Ort des Zusammenkommens und der Gemeinschaft. Gemeinsam sind wir kreativ, wir lachen, wir erinnern, wir tanzen und tauschen Klamotten, Bücher, Geschichten.
Außerdem bieten wir Kaffee an!
Was habt ihr im Programm – und was nicht?
Unser Programm umfasst Bücher und Kunst von BIPoC- und/oder queeren Autor*innen und Künstler*innen, wobei die Kunstwerke bewusst von lokalen Künstler*innen stammen. Inhaltlich reicht unser Sortiment von Kinder- und Jugendliteratur über Romane, Gedichte und Biografien bis hin zu Workbooks zu Themen wie Rassismus, kritischem Denken und gesellschaftlicher Machtanalyse. Ergänzt wird das durch Magazine, Kalender, Graphic Novels sowie eine Büchertauschkiste. Unser Ansatz ist queerfeministisch, antirassistisch und dekolonial. Wie bereits erwähnt geht es uns um Repräsentation und Sichtbarkeit von Perspektiven, die im Mainstream Buchhandel strukturell unterrepräsentiert sind. Was wir nicht führen, ist Literatur von weißen, cis-heterosexuellen Autor*innen. Diese Stimmen sind im regulären Buchmarkt bereits dominant vertreten. Unser Fokus liegt bewusst darauf, Räume für andere Erzählungen zu öffnen und dabei bleiben wir.
Organisiert ihr neben den Veranstaltungen des Black Story Month, wo ihr Kooperationspartner*innen seid, auch andere Veranstaltungen? Wenn ja, wo finden die statt?
In der Regel bieten wir im Monat mehrere Veranstaltungen an, die allesamt bei uns im Laden stattfinden. Von Lesungen, über Ausstellungen, zu Meet&Greet Tagen mit Kleidertausch und Live DJs, auch die eine oder andere Poetry Night fand bereits bei uns statt. Zudem bieten wir jeden Donnerstag von 17 bis 19 Uhr den Zine Club an. Wie der Name bereits verrät, dreht sich hier alles um Zines und das Schaffen von ihnen. Material wird bereitgestellt, Teilnahme ist ohne Anmeldung möglich, mit Spenden holen wir die Materialkosten wieder rein. Aber natürlich können Menschen auch einfach so zum Zeichnen, Basteln oder Socializing kommen.
Was plant ihr für die Zukunft von Kwanzaa?
Wir stehen gerade an einem Wendepunkt. Die finanziellen und strukturellen Bedingungen, gekoppelt mit der zunehmend rechten und faschistischen Politikführung, setzen unabhängige, Community-getragene Räume wie unseren massiv unter Druck. Das zwingt uns, unsere Zukunft neu zu denken. Gleichzeitig nutzen wir die Zeit, die wir haben: Nächsten Monat zum Beispiel geben wir einer lokalen palästinensischen Künstlerin Raum für ihre Ausstellung und informieren über den Genozid im Sudan, weil diese Themen Sichtbarkeit brauchen. Was hier entstanden ist, ist mehr als ein Buchladen. Es ist ein Ort der Zugehörigkeit, des Austauschs und der politischen Bildung. Demnach ist unsere Zukunft offen. Ob und in welcher Form wir weiterbestehen können, hängt nicht nur von uns ab, sondern davon, welchen Stellenwert solche Räume in unserer Stadt haben sollen. Wenn sie bestehen bleiben sollen, braucht es gemeinschaftliche Verantwortung. Wir sind bereit, neue Wege zu gehen gemeinsam mit denen, die diesen Ort ebenfalls als notwendig empfinden.
Wie bleibt man gut über eure Projekte informiert?
Über Instagram unter kwanzaa.bookshop, den Eventkalender FOMO unter fomobremen.info, sowie direkt bei uns im Laden! Wir haben in der Regel ausgedruckte Programme ausliegen und sind auch immer ansprechbar!
Vielen Dank für das Interview!
Das Kollektiv um Kwanzaa hat für unser digitales Literaturmagazin außerdem vier Lesetipps passend zum Black Story Month geschrieben. Den Beitrag findest du unter diesem.