Lesetipp: Marion Rave empfiehlt

Schläge von Meena Kandasamy

Frisch verliebt und jung verheiratet freut die Erzählerin von Schläge sich auf die gemeinsame Zukunft mit ihrem Mann. Doch schon nach wenigen Tagen beginnt der Terror. Ihr Mann zwingt sie, fast alle sozialen Kontakte aufzugeben, nur ihre Eltern darf sie noch anrufen. Er schlägt sie jeden Tag und so brutal, dass sie um ihr Leben bangt. Ihre Eltern bitten sie, Geduld zu haben, ihn einfach nicht mehr zu verärgern. Eine Flucht vor dem Ehemann oder gar eine Scheidung wären eine Blamage für die ganze Familie.

Meena Kandasamy, deren eigene Erfahrungen in diesen Roman eingeflossen sind, schildert nicht nur ein Einzelschicksal, sondern sortiert das Erlebte in einen gesellschaftlichen Kontext ein. Sie macht deutlich, wie groß das Problem der Gewalt gegenüber Frauen in der indischen Gesellschaft ist, und warum eine Flucht so viel schwerer ist, als es Außenstehenden scheinen mag. Kandasamys schwungvoller, rhythmischer Stil trägt über die Brutalität des Erlebten hinweg und lässt das Unfassbare lesbar werden.

SCHLÄGE. EIN PORTRÄT DER AUTORIN ALS JUNGE EHEFRAU | Meena Kandasamy | Übersetzung: Karen Gerwig | ROMAN CulturBooks | Hamburg 2020 | 264 S. | €22,00


Marion Rave

schreibt auf ihrem Blog schiefgelesen über Bücher, hauptsächlich deutsche und internationale Gegenwartsliteratur. Auf schiefgegessen zeigt sie außerdem jeden Monat ein literarisch inspiriertes Rezept. Die gelernte Buchhändlerin Rave aus Reinhessen kam über eine Station in Ostfriesland nach Bremen, wo sie sich beruflich inzwischen nicht mehr mit Literatur beschäftigt. Die Liebe zu den Büchern, deren Buchblock von ihr im wahrsten Sinne schief gelesen wird, ist ihr geblieben.

zu schiefgelesen.net

Porträt von Marion Rave
© privat

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