Das Foto zeigt eine große Menschengruppe vor einem roten Gebäude.
© Jassu Hertsmann

„We speak literature here“ steht auf den großen Willkommensbeuteln, die das Team aus Ljubljana seinen Gästen zur Begrüßung überreicht. Es ist September 2025 und in Ljubljana versammeln sich die Vertreter*innen der 53 UNESCO Cities of Literature für 5 Tage zu ihrer Jahreskonferenz, um sich (besser) kennenzulernen, auszutauschen, voneinander zu lernen, Arbeitsgruppen zu bilden und gemeinsame Projekte zu starten. Zudem bietet das Treffen die Möglichkeit, eine City of Literature vor Ort zu erkunden und sich von der Kultur- und Literaturszene und dem kulturellen Begleitprogramm inspirieren zu lassen. Hier kann man sich unmittelbar einen Eindruck verschaffen, wie die Literaturszene einer City of Literature tickt und welche Räumlichkeiten und (finanziellen) Mittel ihr in der Stadt zur Verfügung gestellt werden.

Das Programm der Jahreskonferenz ist dicht. Jeder Morgen beginnt mit einem Meeting an einem der vielen Kulturorte Ljubljanas. In den mehrstündigen Meetings stellen Arbeitsgruppen ihre Ergebnisse vor (zu Themen wie Meinungsfreiheit oder Literaturarbeit mit Kindern), präsentieren die Delegierten Projekte aus ihren Städten als Best Practice, teilen neue Projektideen oder Ausschreibungen für Residencies oder informieren über ihre Erfahrungen zu bereits bestehenden gemeinsamen Projekten wie den Welttag der Poesie, den Slamovision oder den internationalen Tag der Muttersprachen.

Nicht alle 53 Städte sind bei diesem Treffen in Ljubljana vertreten, aber 50 Menschen aus knapp 40 Städten und 30 Ländern. Darunter u.a. Kolleg*innen aus Hobart (Tasmanien), Okayama (Japan), Taif (Saudi-Arabien), Jakarta (Indonesien), Seattle (USA) und Odesa (Ukraine). Kolleg*innen, mit denen man in den Pausen, beim Mittagessen oder abends nach dem Programm bei einem Bier oder einer Limo ins Gespräch kommt – natürlich über Literatur, aber auch über Themen, wie den brutalen russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine mit den Kolleg*innen aus Odesa und Lviv oder über die Bedrohung der Meinungsfreiheit in den USA mit den Kolleg*innen aus Seattle und Iowa City.

Das jährliche Treffen soll das gegenseitige Verständnis und die Verbindungen zwischen den Städten stärken, um die Zusammenarbeit in Zukunft auszubauen. Und diese Aufgabe erfüllt die Konferenz in jeder Hinsicht, auch ein dreiviertel Jahr später, als die Cities of Literature im Mai 2026 erneut zu ihrer Jahreskonferenz zusammenkommen – dieses Mal im estnischen Tartu. Inzwischen sind zehn weitere Städte im Netzwerk aufgenommen worden, von denen sieben in Tartu vertreten sind, u.a. Conakry (Guinea), Kahramanmaraş (Türkei), San Luis Potosí (Mexico) und mit dem polnischen Danzig eine Stadt, der Bremen schon seit 50 Jahren über eine Städtepartnerschaft verbunden ist.

Das Foto zeigt Personen, die einem Redner auf einer Bühne zuhören.
© Jens Laloire
Das Foto zeigt eine große Menschengruppe mit Büchern.
© Kristjan Teedemaa

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