Bremer Literaturpreis 2022

Judith Hermann erhält den von der Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung verliehenen Bremer Literaturpreis 2022 für ihren Roman Daheim (S. Fischer 2021). Matthias Senkel wird für den Erzählungsband Winkel der Welt (Matthes & Seitz 2021) mit dem Förderpreis zum Bremer Literaturpreis ausgezeichnet.

Judith Hermann wurde 1970 in Berlin geboren. Bereits für ihren Debütroman Sommerhaus, später bekam sie 1999 den Förderpreis zum Bremer Literaturpreis und ihr wurde eine außerordentliche Resonanz zuteil. Für die darauffolgenden Werke erhielt Judith Hermann zahlreiche Preise, darunter den Kleist-Preis und den Friedrich-Hölderlin-Preis. Die Autorin lebt und schreibt in Berlin und in Ostfriesland.

Judith Hermann erzählt in ihrem neuen Roman Daheim von einem Aufbruch: Eine alte Welt geht verloren und eine neue entsteht. Sie hat ihr früheres Leben hinter sich gelassen, ist ans Meer gezogen, in ein Haus für sich. Ihrem Exmann schreibt sie kleine Briefe, in denen sie erzählt, wie es ihr geht, in diesem neuen Leben im Norden. Sie schließt vorsichtige Freundschaften, versucht eine Affäre, fragt sich, ob sie heimisch werden könnte oder ob sie weiterziehen soll. Judith Hermann erzählt von einer Frau, die vieles hinter sich lässt, Widerstandskraft entwickelt und in der intensiven Landschaft an der Küste eine andere wird. Sie erzählt von der Erinnerung. Und von der Geschichte des Augenblicks, in dem das Leben sich teilt, eine alte Welt verlorengeht und eine neue entsteht.

Die Jury begründet die Vergabe: „In meisterhafter sprachlicher Verdichtung erzählt Judith Hermann zugleich von der Angst vor Bindung und der großen Sehnsucht danach, von Rückzug und Isolation und zaghaftem Neuanfang in einer fremden Umgebung. In einer von Untergangsvisionen heimgesuchten Welt werden die in Beziehungen herrschenden Gewaltverhältnisse offengelegt.“

Cover Daheim

Cover Winkel der Welt

Den mit 6.000 € dotierten Förderpreis zum Bremer Literaturpreis 2022 erhält Matthias Senkel. Er wurde 1977 in Greiz geboren und lebt in Leipzig. 2012 erschien sein Debütroman Frühe Vögel (Aufbau 2012), der mit dem Uwe-Johnson-Förderpreis und dem Rauriser Literaturpreis ausgezeichnet wurde. Sein Roman Dunkle Zahlen (Matthes & Seitz 2018) war für den Preis der Leipziger Buchmesse und den Deutschen Buchpreis 2018 nominiert.

Die Jury begründet die Vergabe: „Den Förderpreis zum Bremer Literaturpreis erhält Matthias Senkel. In seinem Erzählungsband Winkel der Welt erkundet er mit großem Einfallsreichtum und subtilem Sprachwitz imaginäre Welten, in denen der entfesselte Möglichkeitssinn jede Wirklichkeit unterminiert.“

Die Jury zum Bremer Literaturpreis 2022 tagte unter dem Vorsitz von Dr. Lothar Müller (ehemals Süddeutsche Zeitung) mit den Mitgliedern Richard Kämmerlings (Die Welt), Barbara Lison (Stiftung Bremer Literaturpreis), Dr. Wiebke Porombka (Deutschlandradio Kultur), Michael Sieber (Stiftung Bremer Literaturpreis), Dr. Daniela Strigl (Österreich) und Dr. Stefan Zweifel (Schweiz).

Mehr über die Preisträger*innen:


Die Preise werden am 24. Januar 2022 im Bremer Rathaus verliehen. Am Vorabend der Preisverleihung, dem 23. Januar 2022, findet eine moderierte Lesung der beiden Preisträger*innen um 18 Uhr in der Glocke statt. Im zeitlichen Umfeld der Preisverleihung wird die 46. Literarische Woche Bremen veranstaltet.

Der Bremer Literaturpreis ist einer der ältesten und bedeutendsten Literaturpreise der Bundesrepublik. Er wurde erstmals 1954 vergeben und wird seit 1977 durch einen Förderpreis ergänzt, der seit 2005 von der ÖVB – Öffentliche Versicherung Bremen finanziert wird.

Website der Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung für Mehr Informationen

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