Lesetipp aus der Redaktion: „Das Labyrinth des Fauns“

Cover des Buchs "Das Labyrinth des Fauns" von Cornelia Funke und Guillermo del Toro

Dieses Buch kommt nicht aus Spanien und wurde im Original auch nicht auf Spanisch geschrieben. Es spielt aber dort in einem Waldgebiet im Norden und die Geschichte darin hat eine besondere Reise durch Sprachen und Medien hinter sich. Das Labyrinth des Fauns von Cornelia Funke und Guillermo del Toro basiert auf del Toros Film Pans Labyrinth, im Original: El laberinto del fauno, von 2006. Im Jahr 2019 haben del Toro und Funke sich zusammengetan, um die Geschichte als Buch herauszubringen – auf Englisch. 2020 ist die deutsche Übersetzung erschienen.

Die Geschichte spielt im Jahr 1944 und die Hauptfigur ist die dreizehnjährige Ofelia, die mit ihrer schwangeren Mutter zu deren neuem Mann in eine einsame Mühle im Wald zieht. Dieser neue Mann, Capitán Vidal, ist Hauptmann unter dem faschistischen Diktator Franco und die Ausgeburt der Grausamkeit. Deshalb wurde er in diesen Wald geschickt: Um Partisanen zu finden, die sich dort verstecken. Während Vidal einen zermürbenden Kampf gegen sie führt, entdeckt Ofelia in dem Wald um die Mühle eine magische Welt – oder besser gesagt, die magische Welt entdeckt sie. Ein Faun erzählt ihr, dass sie die verlorene Prinzessin eines unterirdischen Reichs ist, aber um dahin zurückzukehren, muss sie drei Prüfungen bestehen und der Faun ist erbarmungslos.

Es wird schnell deutlich, dass diese Erzählung trotz der märchenhaften Elemente wie einer Prinzessin, drei Prüfungen und einem bösen Elternteil sehr blutig, düster und ernst ist. Die zwei Handlungsstränge, der Kampf gegen die Partisanen und Ofelias magische Prüfungen, spitzen sich immer weiter zu und laufen in einem spannenden Finale zusammen. Dabei wird immer deutlicher, dass Monster nicht nur zum Reich der Fantasie gehören. Das eigentliche Monster ist Capitán Vidal, von Ofelia „der Wolf“ genannt. Damit setzt das Buch bekannte Erzählmuster aus Märchen in ein für die deutsche Literaturlandschaft eher unbekanntes Terrain: den grünen, bewaldeten Norden Spaniens zur Zeit nach dem spanischen Bürgerkrieg. Und nicht nur in diesem Schauplatz finden sich Bezüge zu Spanien, auch Namen und einzelne spanische Wörter im Text lassen die Szenerie lebendig werden. Abgerundet werden die fantastischen Bezüge noch durch einzelne Kapitel, die Märchen über das unterirdische Reich erzählen, aus dem Ofelia angeblich stammt, begleitet von eindrucksvollen Illustrationen.

Ob Ofelia wirklich eine Prinzessin ist und am Ende in ihr Königreich zurückkehrt? Findet es selbst heraus in diesem Buch, das zwar wie ein Jugendbuch wirkt, aber doch eher etwas für ältere Jugendliche und Erwachsene ist. Es lohnt sich auch, wenn man den Film schon kennt oder vielleicht sogar gerade dann.

DAS LABYRINTH DES FAUNS| Cornelia Funke, Guillermo del Toro | Übersetzung: Tobias Schnettler | Illustrationen : Allen Williams | ROMAN Fischer | Frankfurt a.M. 2020 | ab 14 Jahren | €12,00


Carmen Simon Fernandez

kam 2019 aus dem Rheinland nach Bremen, um hier Transnationale Literaturwissenschaft zu studieren2020 hat sie mit anderen Studierenden aus ihrem Master den Literaturblog blogsatz aufgebaut und seitdem im Literaturhaus Bremen gearbeitet. Vor kurzem hat es sie wieder zurück ins Rheinland verschlagen, von wo aus sie das Literaturmagazin noch hin und wieder unterstützt. 

 

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