Lesetipp: Jasper Vormschlag empfiehlt

Buchcover von "The Silmarillion" von J.R.R. Tolkien

Unsere Welt mit all ihren Facetten entstand einst aus einer wunderschönen Symphonie. Der Schöpfer schuf nämlich die Ainur und brachte ihnen eine Vielzahl an Melodien bei. Und jeder der Ainur sang die Melodie auf seine Weise weiter, bis aus allem eine gewaltige Musik entstand. Diese Musik sollte später die Erde werden: schön und traurig zugleich, düster und wundersam.

So jedenfalls beginnt die Geschichte, in der John Ronald Reuel Tolkien seine Idee der Schöpfung von Mittelerde aus Herr der Ringe und aus Der Hobbit erzählt, die insgeheim auch als Vorgeschichte der realen Welt gedacht war.

Doch Das Silmarillion ist mehr als ein simpler Fantasy-Roman. Es ist ein Werk von sprachlicher und bildhafter Imposanz, das auf zunehmend fesselnde Weise eine Jahrtausende währende Geschichte erzählt. Diese Geschichte wird durchzogen von Musik: manchmal vordergründig in Form von Liedtexten, doch durchgehend versteckt in jeder Wendung. Denn der Vater von High Fantasy beweist, dass klassisches Fantasy alles andere als schwarz-weiß ist: So wie jeder Part einer Symphonie zu ihrer Gesamtheit beiträgt, so ist auch bei Tolkien das vermeintlich eindeutige Böse nur eine Melodie des Schöpfers, die aus seinen eigenen Gedanken entsprungen ist. Und die zuletzt auch ein Teil des schönen, wundersamen Ganzen ist.

Tolkiens Silmarillion ist komplex, schon angefangen bei einem schieren Namenssalat. Doch ohne Zweifel: es lohnt sich.

DAS SILMARILLION | J.R.R. Tolkien | Übersetzung: Wolfgang Krege | ROMAN Klett Cotta | Stuttgart 2018 | 558 S. | €18,00


Jasper Vormschlag


wurde 2003 geboren, ist Schüler aus Bremen und bloggt auf Jaspers Buchblog über Bücher. Auch in Podcasts ist er zu hören – wie zum Beispiel dem Comic-Podcast Der Mühlenhof-Podcast und im Hörbefehl!. Wenn er nicht über Bücher bloggt, dann schreibt er Geschichten und träumt davon, einmal Journalist zu werden.

Zu Jaspers Buchblog

Foto des Buchbloggers Jasper Vormschlag
© Knud Vormschlag

Weiterlesen:

Queer (L)it! mit Tomasz Jedrowski

Im Rahmen der Literaturhaus-Reihe Queer (L)it! spricht Autor*in Sasha Marianna Salzmann jeden Monat mit queeren Autor*innen. Im Dezember ist Tomasz Jedrwoski zu Gast und erzählt von seinem ersten Roman, queeren Narrativen un die Bedeutung von queerer Literatur für das eigene Schreiben.

Wir wollen nicht länger schweigen

Beim Workshop "Wir wollen nicht länger schweigen" haben Schüler*innen mit Eva Matz und Nele Müller an Texten und TikTk-Videos zum Thema Gerechtigkeit gearbeitet: "Man wird oft doof angeguckt, wenn man nicht so ist, wie andere sich das vorstellen. Doch solange man keinen anderen Menschen damit verletzt, kann man sagen und tun, was man möchte."

Satzwende: Heinz Helle

In Zürich gibt es eine Gerechtigkeitsgasse, darin eine Einrichtung für betreutes Wohnen und eine Praxis für ästhetische Medizin. Und in Zürich lebt unser Kolumnist Heinz Helle, der für uns einen Versuch wagt: nicht weniger als das Identifizieren und Benennen der verschiedenen Stoffe, Kräfte und Ideen, die sich überlagern im Hier und Jetzt.