Lesezeichen: Inge Buck

Hände einer alten Frau
© Danie Franco on Unsplash

Über den Körper schreiben
Von Inge Buck

Über den Körper schreiben: über den Tod schreiben oder über die Liebe. Über Schmerzen beim Wachsen der Brüste, über die erste Menstruation, das Erschrecken, das Blut. Über Verliebtsein, Ängste und Herzklopfen.

Über die Sonne auf der Haut, das Schwimmen im Meer, auf dem Rücken liegen, sich ans Ufer treiben lassen, Salz im Mund, in den Himmel sehen.

Über die Eltern schreiben, über den Tod der Mutter, des Vaters, die wächserne Haut, die eiskalten Hände, die geschlossenen Augen, die Stille der Körper.

Über den Schlaf und die Träume, Wanderungen über Geröll und steile Berghänge, Überqueren von Flüssen, über das Fliegen im Traum.

Über das Älterwerden, die Veränderungen, den unaufhaltsamen Gang der Zeit, über das Alter, über Schmerzen in den Handgelenken, den Fußgelenken, beim Gehen beim Treppensteigen.

Über Fahrradunfälle und Krankheiten, über das Krankenhaus, Narkosen und Operationen, Ärzte und Medikamente, Corona und Krebs. Über Müdigkeit und den Schlaf. Über Heilungen und Versöhnung.

Über den Körper schreiben. Schweigen und schreiben.


Inge Buck

wurde 1936 in Tübingen geboren. Ihr Studium legte sie in der Literatur- und Theaterwissenschaft, Psychologie und Publizistik ab und promovierte. Sie arbeitete als Redakteurin beim Deutschlandfunk  und als Kulturwissenschaftlerin an der Hochschule Bremen. Derzeit lebt und arbeitet Inge Buck als Autorin in Bremen. Sie wurde unter anderem mit dem Literaturstipendium des Prager Literaturhauses 2017 und dem Stipendium der Stadt Amsterdam 2001 ausgezeichnet. Zuletzt erschienen ist der Gedichtband Zeit und Gedächtnis (Sujet Verlag 2021).

Zum Autorinnenprofil von Inge Buck

Porträt von Inge Buck
© Julia Baier

Weiterlesen:

Satzwende: Lion Christ

Autor Lion Christ nimmt dich in seiner Satzwende "Schon wach" mit durch die Stadt: durchs würzig riechende Treppenhaus, entlang der dunstigen Baustelle, durch den Park. Mit seinem Text ist er am 16. April auch in der Lesereihe Satzwende zu Gast.

Queerer Kanon?!

Kanon geht auch anders als Goethe, Schiller und Heine - nämlich queer, intersektional und multiperspektivisch! Wie genau, das zeigen Tobias Schiller und Marlon Brand mit ihrem Newsletter-Magazin Queerer Kanon. Im Interview verrate sie, was dahinter steckt.