Satzwende: Matthias Politycki (1/2)

Koffer in Unterführung
© Rike Oehlerking

Laufen, Reisen, Schreiben

Eine Reise ist eine Expedition ins Unbekannte, ob es uns in Zentralafrika erwartet oder im Bayerischen Wald. Anders als zu Hause ist es dort auf jeden Fall, und weil es umso anstrengender wird – und umso beglückender –, je mehr wir uns darauf einlassen, umso entschiedener kann eine Reise auch ganz konkret expeditionsartige Züge annehmen.

Damit sie ein Erfolg wird, muss man sie vom Zieleinlauf her denken, vom Tag der Heimkehr – darin ist sie der Niederschrift eines Romans oder dem Marathonlauf verwandt. Allen drei ist gemeinsam, dass es um die Bewältigung einer langen Wegstrecke geht, dass das Einschlagen einer angemessenen Reise-, Schreib- oder Laufgeschwindigkeit also von zentraler Bedeutung ist.


Laufen, Reisen, Schreiben folgen einer vorgegebenen Struktur: Wer einfach drauflosläuft, -schreibt oder -reist, mag manch Schönes erleben, ans Ziel kommt er allenfalls mit viel Glück. Gerade wer auf Reisen etwas wirklich Großes erreichen will, darf sich nicht auf den Zufall verlassen – der in den Ecken der Welt, wo es noch veritable Abenteuer zu bestehen gibt, nicht selten eine böse Überraschung ist. Nichtsdestoweniger ist das Scheitern vielleicht sogar die wichtigste Erfahrung, die man auf einer Expedition machen kann.

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Matthias Politycki

wurde 1955 geboren und schreibt, seitdem er 16 ist. Sein Werk besteht heute aus über 30 Büchern, darunter Romane, Erzähl- und Gedichtbände sowie Sachbücher und Reisereportagen. Er gilt als großer Stilist und ist einer der vielseitigsten Schriftsteller der deutschen Gegenwartsliteratur. Matthias Politycki wurde unter anderem mit dem Preis der LiteraTour Nord (2010) und dem Literarischen Landgang Stipendium des Literaturhauses Oldenburg (2015) ausgezeichnet. 2020 erschien sein Roman Das kann uns keiner nehmen (Hoffmann & Campe), für den er um ein Haar in Afrika gestorben wäre.

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Porträt des Schriftstellers Matthias Politycki
© Mathias Bothor

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