Wer auf unsere Sprache aufpasst

Ein Text über Genderwahnsinn auf einem Bildschirm.
© Rike Oehlerking

Der Verein Deutscher Sprache fiel in letzter Zeit immer wieder durch negative Presse und rechtspopulistische Äußerungen auf. Der Höhepunkt dieser Aufmerksamkeit ereignete sich, als im Januar bei einer Correctiv-Recherche ans Licht kam, dass ein Vorstandsmitglied Teil des „Geheimtreffens“ in Potsdam war, bei dem auch bekannte Nationalsozialisten anwesend waren. 
Silke Schröder, Chefin eines Luxusimmobilien-Unternehmens, trat daraufhin aus dem Verein zurück. Der Verein selbst distanzierte sich von diesem Ereignis und bestätigte, dass diese Aktivität nicht abgesprochen gewesen sei. 

 

 

Doch wer ist der Verein Deutscher Sprache eigentlich?

Der Verein Deutscher Sprache existiert seit 1991 und setzt sich für den Erhalt der deutschen Sprache besonders im Kampf gegen die Gender-Sprache und die zunehmenden Anglizismen innerhalb der Sprache ein. Sie verleihen Auszeichnungen wie die Schlagzeile des Jahres oder der Verein startete unter anderem den Aufruf zu Rettet die deutsche Sprache vor dem Duden. Auf der Internetseite des Vereins fallen Formulierungen wie „übertriebenes Genderdeutsch“, „Mangel an Sprachloyalität“ oder „Geringschätzung der Muttersprache“ direkt ins Auge. Zudem wird von einer „Gender-Ideologie“ gesprochen, gegen die sich zu wehren sei. Der Verein fordert „eine Rücknahme aller Gendersprachregelungen“ oder „Schluss mit der Verunsicherung der Kunden und Bürger durch englischsprachige Bezeichnungen; Schluss mit dem Gender-Unfug“.

Verwunderlich scheint es daher nicht, dass dem Verein bereits von mehreren Seiten ein intoleranter, unaufgeklärter Sprachpurismus vorgeworfen wurde. Denn auch der Vorsitzende und Gründer des Vereins Walter Krämer fiel schon öfter mit rechtspopulistischen Äußerungen auf. Er sprach bereits über den „Meinungsterror einer linken Lügenpresse“, die „Überfremdung der deutschen Sprache“ und erneut vom „Genderwahn“. Es wird deutlich: Auch wenn sich der Verein offiziell von den Freizeitaktivitäten von Silke Schröder distanziert – eine Distanz zum besorgniserregenden rechten Spektrum fehlt. Auch Silke Schröders schon länger bekannte Arbeit für das rechtsextreme Fernsehportal Auf1 oder den Deutschland-Kurier, für den häufig auch AfD Funktionäre schreiben, schien kein Grund, das Vorstandsmitglied ins Gericht zu nehmen.

Mehrere bekannte Mitglieder des Vereins äußerten sich nun zu den Vorfällen und verurteilen den Verein, aber auch das ehemalige Vorstandsmitglied Schröder, aufs Schärfste oder treten selbst sogar aus. Ob sich der Verein von diesem Image erholt, ist fraglich. 

Sinja Konduschek

absolvierte bis Ende Januar ein Praktikum im Literaturhaus und hat sich schon immer viel mit Literatur und dem Schreiben beschäftigt. Neben dem Praktikum studiert sie Kulturwissenschaft und Kommunikations- und Medienwissenschaften an der Universität Bremen im Bachelor. Ihr Traum ist ein eigenes Zimmer für ihre Bücher und ein großer Lesesessel.

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