Bremer Autor*innenstipendium 2022 vergeben

Das Bremer Autor*innenstipendium 2022 geht an Jörg Isermeyer und Donka Dimova. Die fünfköpfige Jury konnte in diesem Jahr aus insgesamt rund 50 Einsendungen wählen und lobte die Vielfalt der Projekte.

Porträt von Jörg Isermeyer
© privat

Letztendlich fiel die Entscheidung für das Projektstipendium zu 5.000,- Euro auf Jörg Isermeyer und sein Kinderbuchprojekt Faust & Pfote: hier wird ein Stadttheater zum Schauplatz von Streichen, Wutanfällen und Machtkämpfen, aber auch von Solidarität und Engagement. Mit viel Drive, Charme und Witz erzählt Jörg Isermeyer von egomanischen Intendanten, herzlichen Maskenbildnern, theaterliebenden Ratten und obdachlosen Katzen. Dabei gelingt es ihm zum einen, jungen Leser*innen einen sehr plastischen Einblick in den Theaterbetrieb zu geben, und zum anderen, mit großer Leichtigkeit und ungemein humorvoll den Kulturbetrieb kritisch zu beleuchten. Ganz beiläufig und ohne erhobenen Zeigefinger verhandelt Isermeyer auf gewitzte Weise die Machtstrukturen und das Gefälle im Theaterbetrieb, aber auch Fragen von Widerstand und Gemeinsinn. Dabei bringt er Menschen und Tiere als gleichberechtigte Akteure auf gekonnte Weise zusammen, spielt und bricht mit Klischees und weiß auch sprachlich und im Ton vollauf zu überzeugen.

Jörg Isermeyer, geboren 1968 in Bad Segeberg, reiste als Straßenmusiker quer durch Europa. Nach seinem Studium zog er die freie Künstlerlaufbahn einer Universitäts-Karriere vor und lebt heute als Schauspieler, Regisseur, Theaterpädagoge, Musiker und Schriftsteller in Bremen. Sein Stück Ohne Moos nix los, das im GRIPS-Theater uraufgeführt wurde, erhielt den Berliner Kindertheaterpreis und wurde für den Mühlheimer KinderStückePreis nominiert. Seine Romane Alles andere als normalDie Brüllbande und Ene, mene, Eierkuchen wurden u.a. mit dem Leipziger Lesekompass ausgezeichnet. Das Buch Lyrik-Comics, zu dem Jörg Isermeyer Gedicht-Vertonungen beigesteuert hat, war für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2020 nominiert.


Donka Dimova wird für ihr lyrisches Projekt Mehrfamilienhaus ohne Aussicht mit dem Nachwuchsstipendium zu 4.000,- Euro (plus Mentoring-Programm) ausgezeichnet. Der Text wendet sich bulgarischen Arbeitsmigrant*innen in Bremen zu. Sie sind in die Hansestadt gezogen, um Geld zu verdienen, um ihren Kindern eine gute Zukunft zu sichern oder einfach nur, weil sie das Leben im Ausland ausprobieren wollen. Doch in der Öffentlichkeit ist ihre Lebensrealität kaum sichtbar. In Anklang an Aras Ören, der in seinen Poemen die in Kreuzberg lebenden Arbeitsmigrant*innen aus der Türkei beleuchtet, wirft Dimova den Blick auf die bulgarische Diasporagruppe in Gröpelingen, deren unterschiedliche Lebenswege, Wünsche, Ängste und die ernüchternde Realität des Ankommens. In einer prägnanten und kraftvollen, poetischen Sprache verleiht Dimova ihren Figuren eine Stimme, ohne ins Allgemeine oder Klischeehafte abzurutschen. 

Porträt von Donka Dimova
© Julian Elbers

Donka Dimova ist 1986 in Burgas, Bulgarien geboren. Die Poesie begeistert und beschäftigt sie seit ihrem frühen Schulalter. Sie veröffentlicht in Sammelbändern, Zeitschriften und Anthologien. Sie studierte Politikwissenschaft und Europäische Studien in Bremen und Hannover und arbeitet seitdem mit Menschen in schwierigen Lebenslagen. Im Jahr 2014 kam ihr erster Poesieband Übersetzung des Alltags in Bulgarien heraus. Seit 2016 leitet und begleitet sie künstlerisch-pädagogische Projekte für Kinder und Jugendliche nach dem eigenen Konzept "Spiele mit Sprache". Sie übersetzt Poesie auf Deutsch und Bulgarisch.

Zur Förderung des literarischen Nachwuchses sowie professionell arbeitender Autor*innen vergibt der Senator für Kultur jedes Jahr zwei Stipendien an Schriftsteller*innen, die ihren Wohnsitz in Bremen, Bremerhaven oder dem angrenzenden Umland haben. Wie bereits in den beiden vergangenen Jahren wurden 2022 zwei unterschiedliche Stipendien ausgeschrieben, deren Dotierung 2020 im Zuge der Bewerbung Bremens um den UNESCO-Titel City of Literature jeweils verdoppelt worden ist.

Zur Jury 2022 gehören Dr. Alexandra Tacke (Leiterin des Referats 12 & Referentin für Literatur beim Senator für Kultur), Annette Freudling (Freie Autorin/Journalistin & Vorstand Bremer Literaturkontor), Sven Odens (Geschäftsführer Buchhandlung Buntentor), Annika Depping (Redakteurin Literaturmagazin Bremen & Mitarbeiterin virt. Literaturhaus) und Leyla Bektaş (Freie Autorin & Stipendiatin 2020).

Mehr zum Autor*innenstipendium und den Preisträger*innen

Zu den Textauszügen

Zum Autorenprofil von Jörg Isermeyer

Zum Autorinnenprofil von Donka Dimova

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Lesezeichen: Ros*innen

"You see a woman, but I am so much more" - Mari Püffel und Mathilda Süßmilch schreiben in ihrem Lesezeichen über nicht binäre Körper, Schönheit und Genderklischees. Die beiden sind Teil des queerfeministischen Poesiekollektivs Ros*innen.