Lesetipp: Leuwer empfiehlt

Poesie! Schon das Wort ist… ja, eben poetisch…! Poesie in der „klassischen Definition“ ist eine Verschmelzung von Epik, Dramatik und den lyrischen Formen. Heute ist Poesie auch in der Übertragung als „poetisch“ in Film, Foto, Malerei und Text gebräuchlich. Lyrik in all ihren Spielarten muss aber nicht allein als Poesie gelten. Auch einen Roman dürfen wir „poetisch“ nennen. Die Sprache – einfach schön…! Wie ein Fluss, der uns mitnehmen wird auf eine vielversprechende Reise. Sprache, die uns riechen, schmecken, atmen lässt und immer wieder neue Bilder und Metaphern zeigt.

Poetische Momente finden wir in erzählenden Werken immer wieder und nennen sie dann auch schon mal „große Werke“ – vielleicht sogar Weltliteratur, die wir gerne weiterempfehlen. Nicht aus Sicht der Kritiker*innen, sondern weil wir uns als Leser*innen mitgenommen fühlen auf eine Lesereise – in eine Geschichte, eine Stimmung… Form und Inhalt verschmelzen hier oft – wie in der klassischen Definition! Nehmen wir doch zum Beispiel...

Anne Weber: Annette, ein Heldinnenepos

Moderner Inhalt in der Form des alten Erzählgedichts.

David Foenkinos: Charlotte

Ein Roman (!), der im französischen Original auch die lyrische Reimform hat, in der Übersetzung geht die natürlich verloren. Trotzdem ein wunderbares Buch.

Tove Ditlevsen: Kindheit

Man liest die ersten Seiten und denkt „Von der möchte ich mal Gedichte lesen“, und ja, sie ist auch Lyrikerin. Oder ist sie Lyrikerin, die ihre Kindheitserinnerungen aufgeschrieben hat?

Für den sprichwörtlichen Inselkoffer fallen mir noch einige Beispiele ein; der Koffer würde sich schnell füllen. Die Doppelbegabung vieler Autor*innen, die die oft kurze Form der Lyrik (Haiku, Sonett, Gedicht in jeder Form) in die „große“ Erzählform bringen können, reizt mich immer und immer wieder. Und wird zu einem Lesevergnügen der besonderen Art, ein eben poetisches Texterlebnis!

Grade jetzt, in der Corona-Zeit, ist es schön, für ein paar Stunden, Minuten oder eine Nacht in eine andere Welt einzutauchen… Eine andere Welt – dank der Zauberkraft der Poesie.

ANNETTE, EIN HELDINNENEPOS | Anne Weber | ROMAN Matthes & Seitz | Berlin 2020 | 208 S. | €22,00

CHARLOTTE | David Foenkinos | Übersetzung: Christian Kolb | ROMAN Penguin | München 2016 | 256 S. | €10,00

KINDHEIT | Tove Ditlevsen | Übersetzung: Ursel Allenstein | Berlin 2021 | 118 S. | €18,00


Die Buchhandlung Leuwer

haben Angelika und Klaus Plückebaum  1984 übernommen. Sie setzen die Traditionslinie des Unternehmens ungebrochen fort. Nicht zufällig beließen Sie den Namen Franz Leuwer an der Fassade. Bei Leuwer finden normalerweise regelmäßig Lesungen und Ausstellungen statt. Spezialgebiete der Buchhandlung sind Kunst und Reisen. Für das Literaturmagazin Bremen unternimmt Angelika Plückebaum eine Reise in die Welt der Poesie.

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Lesetipp: Vanessa Guinan-Bank empfiehlt

Auf einem Instagram-Bild küssen sich zwei Frauen - für viele ist das immer noch ein Problem. Dass solch eine Geschichte kein Einzelfall ist, sondern Teil ineinander verwobener Diskriminierungsstrukturen, erläutert Emilia Roig im Sachbuch "Why We Matter" (Aufbau 2021). Ein Buchtipp von Journalistin Vanessa Guinan-Bank.