Lesetipp: "Jahrbuch der Lyrik"

Wir lieben das Lesen! Geht ja gar nicht anders, immerhin veröffentlichen wir ein Literaturmagazin. Damit du das Team hinter unserem Magazin kennenlernst, geben wir dir regelmäßig Lesetipps aus unserer Redaktion. Dieser Tipp kommt von Annika Depping, die die Textredaktion des Literaturmagazins leitet. Sie hat in Bremen Germanistik mit Schwerpunkt Literaturwissenschaften studiert und liest am liebsten in ihrem Schrebergarten - zugegebenermaßen aber nur selten Lyrik.

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„Was will uns der Dichter damit sagen?“ Dieser Frage haben wir uns im Schulunterricht oft stellen müssen; nur selten wurden in der Folge erhellende Antworten gefunden – und die Freude am Lesen von Gedichten wurde dadurch noch seltener geweckt. Dass es bei der Lyrik um den Spaß an der Sprache und am Gedicht gehen darf, daran erinnert Herausgeber Christoph Buchwald in seinem Nachwort zum Jahrbuch der Lyrik 2021. Das Jahrbuch erscheint in diesem Jahr in der 35. Ausgabe mit Lyrikerin Carolin Callies als Mitherausgeberin.

Die Anthologie bildet aktuelle Strömungen der deutschen Lyrik ab. Versammelt sind große Namen wie Ulrike Draesner, Durs Grünbein und Jan Wagner, doch auch Gedichte von jungen Stimmen wie der 2001 geborenen Ruta Dreyer haben einen Platz in der Ausgabe gefunden. Die Gedichte gruppieren sich in zwölf Kapiteln thematisch. Da geht es um die See und das Wasser, die Natur, die Nacht – und, wie könnte es im Jahrbuch 2021 anders sein, auch um die Pandemie:

„Es war die Zeit, als wir Weltreisen unternahmen,

die vom Bad via Küche bis ins Wohnzimmer führten.“

März. Und alles, was danach kam von Hellmuth Opitz

Dieser und andere Texte im Jahrbuch zeigen: „Gedichte sind unser Gedächtnis von Zeit.“ Sie finden Bilder für das, was wir bisher nur geahnt haben; und man kann sie daher mehr schlecht als recht an den Maßstäben Geschmack und Schönheit messen, darauf weisen beide Herausgeber*innen im Nachwort hin. Doch wenn es bei Lyrik um den Spaß geht, dann hat dieses Jahrbuch einen Vorteil: Die Bandbreite an Autor*innen, an Themen und an poetischen Herangehensweisen ist so groß, dass für jede*n etwas dabei ist. Im Jahrbuch der Lyrik warten viele Schätze darauf, entdeckt zu werden. Also wie wär’s, lies doch mal wieder ein Gedicht – oder zwei!

Seit 1979 hat Christoph Buchwald 35 Jahrgänge der Anthologie herausgegeben, jeweils in Zusammenarbeit mit wechselnden Dichter*innen. Mit der 35. Ausgabe geht er nun in den Ruhestand, die ständige Herausgeberschaft übernimmt ab 2022 Matthias Kniep vom Haus für Poesie in Berlin.

JAHRBUCH DER LYRIK | Herausgabe: Christoph Buchwald, Carolin Callies | LYRIK Schöffling & Co. | Frankfurt am Main 2021 | 264 S. | €22,00

 

Jahrbuch der Lyrik 2021
Christoph Buchwald
© Irwan Droog
Carolin Callies
© Thommy Mardo 2018

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Lesetipp: Vanessa Guinan-Bank empfiehlt

Auf einem Instagram-Bild küssen sich zwei Frauen - für viele ist das immer noch ein Problem. Dass solch eine Geschichte kein Einzelfall ist, sondern Teil ineinander verwobener Diskriminierungsstrukturen, erläutert Emilia Roig im Sachbuch "Why We Matter" (Aufbau 2021). Ein Buchtipp von Journalistin Vanessa Guinan-Bank.