Salman Nurhak: Lesezeichen

Jemand trägt eine Sonnenbrille, in der sich die Wolken spiegeln
© Kenan Süleymanoğlu / Unsplash

Wenn augen zungen hätten

Von Salman Nurhak

Wenn augen zungen hätten

Würden sie reden

Auch wenn das herz im boden begraben wäre

Würden sie es zur rechenschaft ziehen

 

Und mit ihm reden

Manchmal würden sie ein stern werden

Und leuchten am himmel

Vielleicht würden sie weinen

 

Wenn sie wolken wären

Sie würden in die haut gehen des einen

Wie der schimmel in die wand eindringt

Und wie eine kette an einer eisernen tür

 

Die keine sonne gesehen hat

Sie würden handgelenke ergreifen

Wie ein blutiger dolch

Und würden einstechen in herzen

Und auch in die gedanken


Salman Nurhak

stammt aus Kasanli im südöstlichen Teil der Türkei (Provinz Kahramanmaraş). Er engagierte sich stets politisch-oppositionell und kam 1991 als politischer Flüchtling nach Deutschland. Seit 1995 lebt er in Bremen. Schon als Jugendlicher schrieb Nurhak Gedichte; diese lyrische Vorgeschichte reaktivierte er im deutschen Exil. Neben seiner Tätigkeit als Mitarbeiter der Bremer Städtischen Galerie, des Künstlerhauses und der Friedensgemeinde produzierte er seine lyrischen Gebilde und hielt – in Bremen, Hamburg und Paris – viele Lesungen.

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Porträt von Salman Nurhak
© privat

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