Satzwende: Nora Bossong (2/4)

Europa als Puzzle
© Rike Oehlerking

Unsere Autos

Wenn es um Menschenrechte geht, soll man erstmal vor der eigenen Tür schauen, so lautet ein alter Rat. In Deutschland steht da oft neben Primeln und Mülltonnen ein Auto und damit öffnet sich die Tür schon ziemlich weit. Interessen und Auswirkungen der globalen Benzin-Raffinerien erschöpfen sich schließlich nicht bei der nächstgelegenen Tankstelle.

So ist in Den Haag vor wenigen Wochen die Royal Dutch Shell Company zu Schadenersatzzahlungen an vier Landwirte in Nigeria verklagt worden, deren Felder vom Öl verseucht sind, das Shell Nigeria fördert. Zuvor waren Großunternehmen oft davongekommen, wenn es Tochtergesellschaften westlicher Unternehmen in Entwicklungsländern nicht so genau nahmen mit Menschen- und Arbeitsrechten. Der Präzedenzfall um Shell zeigt aber, dass es möglich und nötig ist, Rechtsprechung eben so global zu machen wie es die Unternehmen längst sind.

Man muss es allerdings wollen. Wenn europäisches Recht es dagegen toleriert, dass Gewinne aus den Bodenschätzen unseres Nachbarkontinents von westlichen Unternehmen privatisiert und die Schäden vor Ort sozialisiert werden, ist darin kaum eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe zu erkennen, egal, in wie vielen Sonntagsreden man sie beschwört.

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Autorin Nora Bossong
© Jana Wagner

Nora Bossong

wurde 1982 in Bremen geboren. Sie studierte Kulturwissenschaft, Philosophie und Literatur in Berlin, Leipzig und Rom. Für ihre literarischen Arbeiten erhielt sie mehrere Auszeichnungen, so den Peter-Huchel-Preis 2012, den Wolfgang-Weyrauch-Preis 2007 und den Kunstpreis Berlin in der Sparte Literatur 2011. 2014 erhielt sie die Bremer Netzresidenz zusammen mit Nikolas Hoppe und Jens Laloire für das Netzprojekt: Bremen und Kampala – Schreiben im transkulturellen Raum. Heute lebt sie in Berlin.

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