Satzwende: Nora Bossong (4/4)

Weltkarte als Puzzle mit Asien
© Rike Oehlerking

Universell denken

Wie universell sind eigentlich die Menschenrechte? Und wer definiert, wie dieser Universalismus aussehen soll? An diesen Fragen entzünden sich immer wieder Streitigkeiten im Kleinen ebenso wie zwischen Großmächten. Kein Wunder.

Denn zum einen ist es ein Balanceakt, die Universalität der Menschenrechte mit unterschiedlichen kulturellen Eigenheiten in Einklang zu bringen, ohne sie auf der einen Seite gänzlich auszuhöhlen oder auf der anderen Seite nichtwestlichen Kulturen eine eurozentrische Idee aufzudrängen. Dieses Problem kann auch instrumentalisiert werden. So pariert die chinesische Regierung Kritik von westlicher Seite, wenn sie denn überhaupt mal kommt, gern mit dem Vorwurf westlicher Hegemoniebestrebung.

Zum anderen ist aber auch die Weste des Westens nicht nur weiß. Chinas Außenminister Yang warf den USA gerade vor, Probleme mit den Menschenrechten zu haben und verwies auf die Black Lives Matter-Bewegung. Wenn Polizeigewalt nach rassistischen Mustern ausagiert wird, sind Menschenrechte brüchig, das ist offenbar. Andere Beispiele kann man auch in Europa finden.

Dennoch lassen sich die Menschenrechte nicht wegfegen als europäische Anmaßung oder Deutungshoheit. Auch wenn sie in Europa zum ersten Mal so formuliert wurden, bleiben sie eine Errungenschaft, die universell ist – und nur universell gedacht funktioniert. 

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Autorin Nora Bossong
© Jana Wagner

Nora Bossong

wurde 1982 in Bremen geboren. Sie studierte Kulturwissenschaft, Philosophie und Literatur in Berlin, Leipzig und Rom. Für ihre literarischen Arbeiten erhielt sie mehrere Auszeichnungen, so den Peter-Huchel-Preis 2012, den Wolfgang-Weyrauch-Preis 2007 und den Kunstpreis Berlin in der Sparte Literatur 2011. 2014 erhielt sie die Bremer Netzresidenz zusammen mit Nikolas Hoppe und Jens Laloire für das Netzprojekt: Bremen und Kampala – Schreiben im transkulturellen Raum. Heute lebt sie in Berlin.

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