Madita und Sophie beim Slam bei Galaxie der Bücher
© Rike Oehlerking

Schwerelosigkeit - was ist das? Was bedeutet es für mich, unbeschwert zu sein? Darüber haben sich vier Jugendliche so ihre Gedanken gemacht. In einem Poetry-Slam-Workshop mit Eva Matz sind im Rahmen des Festivals Galaxie der Bücher viele spannende Texte entstanden. Einen kleinen Einblick bekommst du hier. Und dann überleg doch mal: Was bedeutet Schwerelosigkeit für dich?

Schwerelosigkeit muss sein, denn Schwerelosigkeit kann sein, denn Schwerelosigkeit ist geil. Schwerelosigkeit ist frei sein. Schwerelosigkeit ist stark sein und Schwerelosigkeit heißt froh sein. Schwerelosigkeit bedeutet im Leben zu schweben und den Wundern zu begegnen. Schwerelosigkeit beruhigt einen und bewegt einen. Schwerelosigkeit bewegt einen zu Dingen hin, zu denen man nie hin wollte. Schwerelosigkeit beruhigt einen. Schwerelosigkeit ist wundervoll.

(...)

Dieses Gefühl will ich verspüren. Draußen auf einer Parkbank, mit Freunden, beim Spazieren. Keine Gedanken über Probleme oder Hausaufgaben. Sitzen, beobachten, hören, sehen. Unbeschwert sein. Wo es egal ist, wie lange oder wo. Wenn ich von meinen Fenster aus rausgucke, sehe ich Häuser. Häuser. Wunderschön, oder etwa nicht? Ich wohne am Marktplatz . Ein leerer, oder wenn dort Leben ist. Sorgenvolle Leben. Ich lebe offensichtlich in dieser sorgenvollen, arbeitsreichen Welt. Komme ich hier raus? Wenn ja, wie? Ich will’s nämlich spüren. Schwerelosigkeit.

Sophie, 17 Jahre

An alle Nicht-Naiven dieser Welt:
Ich weiß, es kribbelt euch in den Fingern
brennt euch förmlich auf der Zunge
und sprudelt dann nur so heraus.

Es ist fast so, als könntet ihr euch gar nicht dagegen wehren.
Als wärt ihr nur die Opfer euer eigenen Gedanken,
die so stark sind,
dass ihr euch davor fürchtet, zu hinterfragen.
Vor allem euch selbst zu hinterfragen,
denn es ist ja so anstrengend,
sich selbst zu reflektieren,
sich selbst verletzlich zu machen.
Also passiert das, was immer passiert:
Mit eurer festgefahrenen Einstellung
stellt ihr euch
uns in den Weg,
um das ganze aufzuhalten,
um uns davon zu überzeugen, wir wären einfach nur ein bisschen zu naiv.

Doch was, wenn ich dir sage, dass du nicht naiv genug bist?
Denn der Wunsch und vor allem das Handeln nach Veränderung
ist immer mit Naivität verbunden und wird von ihr genährt.

Madita, 17 Jahre

Ich gehe durch den tiefen Wald, lauter Vögel zwitschern um mich herum. Ich bin abgehauen, doch ich kann mich nicht beklagen. Ich hatte doch so viel Fragen, oder bin ich in Kopenhagen? Ach, egal, ich fühl' mich toll, so ungestresst und wundervoll. Das Leben hat sehr viele Steine, weiße, aber auch andersfarbige, mag ich sehr. Ich liebe mich nicht selbst, sagt der Mann auf seinem Fels, er denkt sich nichts, doch der Fels ist steil wie der Pfeil an dem Beil. Gibt es eigentlich einen Sinn beim Krieg und solchen Dingen? Ich finde es echt unnötig, Krieg zu haben und sich nicht zu fragen, was die Menschen für richtig halten. Ach, was soll's, ein Mensch kann nichts bezwecken oder was bewirken. Das Ende droht und naht herbei, ich weiß nicht wieso, doch es bedrückt mich. Mein Geist und meine Seele sind so gebrochen wie der Frieden. Das, was in der Welt los ist, ist Abschaum und dumm, sie sollen es verändern und es erkennen.

Julius, 14 Jahre

Rauch schwebt um die Köpfe, so dicht, dass es schwer wird, in die Ferne zu sehen.
Schuld spiegelt sich auf dem Gesicht im Gang wider.
Die Augen fixieren das Gesicht eines Mädchens, oder eher die Umrisse - während sie so sorglos tanzt, ist die Seele im Türrahmen eher befangen, rauchig, wie die Luft.
Wäre die Seele ein Bild, wäre es wohl ein Wintertag.
Verhangene Wolken, alles grau.
Rauchende Fabriken, Farbe, es ist nur schwer zu erkennen, wie neblig es über dem Wasser ist, das die Seele und die Fabriken trennt.

Auf der anderen Seite jedoch sieht das Bild ganz anders aus. Ich beschreibe es euch:
Warmer Regen.
Es ist ein kleines Video, wie bei Instagram, wenn ich auf Boomerang in meiner Story tippe.
Eine Wiese mit Feldblumen, eine Hand, die Margeriten zusammenhält.
Instagram überall geöffnet bei den tanzenden Leuten. Man muss ja alles festhalten, doch vergessen wir, dafür brauchen wir kein Handy, kein Boomerang, nur uns. Denn unser Gehirn erinnert sich an vieles, wenn es wichtig war, und wenn wir es vergessen, war es nicht wichtig.

Celine, 14 Jahre

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Lesezeichen: Ros*innen

"You see a woman, but I am so much more" - Mari Püffel und Mathilda Süßmilch schreiben in ihrem Lesezeichen über nicht binäre Körper, Schönheit und Genderklischees. Die beiden sind Teil des queerfeministischen Poesiekollektivs Ros*innen.