Was hat ein alter Drogerieschrank mit dem Bremer Buchhandlungspreis zu tun?

Sven Odens hat sich mit der Buchhandlung Buntentor seinen Traum von der eigenen Buchhandlung erfüllt – und wurde im vergangenen Jahr mit dem Bremer Buchhandlungspreis ausgezeichnet. Im Interview mit Stephanie Schaefers spricht er über Zufälle, Herausforderungen und eine treue Kund*innenschaft. Und darüber, warum kleine, gut sortierte Buchhandlungen auch heute eine Zukunft haben.

Vor fast einem Jahr wurde deine Buchhandlung Buntentor mit dem Bremer Buchhandlungspreis ausgezeichnet. Für alle, die deinen Laden noch nicht kennen: Was macht deine Buchhandlung aus und was erwartet Besucher*innen und Kund*innen?

Sven Odens: Auf jeden Fall erst einmal eine freundliche Begrüßung und wer möchte, erhält auch gerne eine Beratung. Unser Laden zeichnet sich durch ein ausgewähltes Sortiment vieler unabhängiger Verlage aus. Von Krimis über Kochbücher und Graphic Novels bis zu Kinder- und Jugendbüchern sind viele unterschiedliche Bereiche vertreten. Außerdem haben wir eine Auswahl englischsprachiger Bücher. Eine Besonderheit sind sicher auch unser Kartensortiment und unsere besonderen Papeterieartikel. 

Die Jury des Buchhandlungspreis hat unter anderem deine besondere Ladengestaltung hervorgehoben. War für dich von Anfang an klar, dass du Elemente der alten Räume erhalten möchtest? Oder was war dir bei der Gestaltung besonders wichtig?

Sven: Nein, die optische Gestaltung hat sich zufällig ergeben. Als ich mir den leerstehenden Laden damals anschaute, kam ich mit der Vermieterin zufällig über die vorherige Nutzung ins Gespräch. Bis Mitte der 1970er Jahre befand sich hier eine Drogerie. Die Vermieterin erzählte mir, dass sie noch einen alten Schrank der Drogerie eingelagert hätte. Ich schaute ihn mir an und da er exakt für den Laden angefertigt worden war, passte er natürlich perfekt. Ich fand den Schrank mit den vielen kleinen Schubfächern großartig. In einigen befanden sich teilweise noch Natronpulver oder Kräuter. Heute nutzen wir die Fächer für unser Kartensortiment. Auch den alten Fliesenboden haben wir einfach behalten. Wir haben also viel übernommen, aber ein Ladenbauer hat für uns zusätzlich neue Regale und Auslegetische mit Rollen entwickelt. Der Laden benötigt flexible Elemente, wenn wir Veranstaltungen haben, müssen die Ausstellungsflächen schnell weggeräumt werden können.

 

Das Bild zeigt die Buchhandlung Buntentor.
© Stephanie Schaefers
Das Bild zeigt die Innenansicht der Buchhandlung Buntentor.
© Stephanie Schaefers
Das Bild zeigt die Kinderbuchabteilung im Buchladen Buntentor.
© Stephanie Schaefers

“Mir hat gezeigt, dass der Buchhandlungspreis auch als eine Art Auszeichnung für unseren Stadtteil wahrgenommen wurde” 

Was hat der Bremer Buchhandlungspreis für dich und die Buchhandlung verändert? Gab es Momente, in denen du gemerkt hast: Die Auszeichnung hat etwas bewirkt?

Sven: Der Erhalt des Buchhandlungspreises kam für mich überraschend, aber ich habe mich natürlich sehr darüber gefreut. Toll war, dass nach der Preisverleihung viele Kundinnen und Kunden in den Laden kamen. Sie gratulierten mir, freuten sich sehr mit uns und brachten sogar Blumensträuße, Sekt oder Schokolade. Mir hat gezeigt, dass der Buchhandlungspreis auch als eine Art Auszeichnung für unseren Stadtteil wahrgenommen wurde - das finde ich gut.

Die Jury hat nicht nur die Buchhandlung selbst ausgezeichnet, sondern auch dein Engagement, etwa in der Ausbildung von Buchhändler*innen und der Leseförderung. Warum ist dir dieser Teil deiner Arbeit so wichtig?

Sven: Ich freue mich sehr über den Nachwuchs an Buchhändler*innen. Momentan bilde ich zwar nicht aus, von 2021 bis 2024 hatte ich jedoch einen Auszubildenden, den ich anschließend als Mitarbeiter übernehmen konnte. Für die Branche ist es natürlich enorm wichtig, dass junge Menschen in diesem Bereich arbeiten wollen und auch bleiben können. Ebenso wichtig ist es, die junge Generation generell fürs Lesen und für Bücher zu begeistern.

Seit 2016 gibt es die Buchhandlung Buntentor, in diesem Jahr feierst du zehnjähriges Jubiläum. Wenn du auf diese zehn Jahre zurückblickst: Worauf bist du besonders stolz, und welche Herausforderungen haben dich am meisten geprägt?

Sven: Genau, im Oktober feiern wir unser zehnjähriges Jubiläum. Ich bin glücklich, dass ich mir den Traum von einer eigenen Buchhandlung erfüllen konnte und bin dankbar, dass unser Laden hier im Stadtteil so gut angenommen wird und wir eine so treue und interessierte Kund*innenschaft haben. Dadurch haben wir auch die herausfordernde Zeit der Coronapandemie überstehen können. Unterschätzt habe ich zu Beginn die zeitliche Vereinnahmung und die eigenen Ressourcen, die in eine Selbstständigkeit einfließen.

Wenn du heute noch einmal vor der Entscheidung stündest: Würdest du 2026 wieder eine Buchhandlung eröffnen? Wie hat sich die Situation für unabhängige Buchhandlungen in den vergangenen Jahren verändert?

Sven: Stand jetzt: ja, ich würde diesen Buchladen wieder eröffnen! Kleine, gut sortierte und im Stadtteil verankerte Buchhandlungen können funktionieren. Aber man muss wirklich schauen, wie ein Stadtteil oder Quartier aufgestellt ist. An jedem beliebigen Ort würde ich heute wohl keine Buchhandlung eröffnen.

Das Bild zeigt die Buchhandlung Buntentor.
© Stephanie Schaefers
Das Bild zeigt zwei Buchcover.
© Stephanie Schaefers

Und nun wollen wir natürlich auch noch einen tollen Buchhändlerlesetipp von deiner Seite mitnehmen. Gibt es ein Buch, das dich in den vergangenen zehn Jahren besonders begleitet oder geprägt hat oder vielleicht eine Neuerscheinung, die wir nicht verpassen sollten?

Sven Odens: Seit Jahren empfehle ich immer wieder und mit voller Überzeugung den Roman Das Geräusch der Dinge beim Fallen von Juan Gabriel Vásquez. Der Roman erzählt auf sehr literarische Weise von den kolumbianischen Drogenkriegen und taucht tief in die Befindlichkeiten der kolumbianischen Seele ein. Unter den neuen Veröffentlichungen hat mir Trophäe von Gaea Schoeters sehr gut gefallen.

Lieber Sven, herzlichen Dank, dass du dir Zeit genommen hast und wir etwas über deinen Buchladen erfahren konnten.

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