Literarischer Kulturaustausch 2021

Ausschnitt eines Arbeitstisches aus einer Schreibwerkstatt
© Donka Dimova

›Literarischer Kulturaustausch‹ 2021 - mit Angelika Sinn

Die folgenden Texte sind im Rahmen unserer Schreibwerkstatt ›Literarischer Kulturaustausch‹ 2021 unter der Anleitung von Angelika Sinn entstanden. Des Seminar fand in einer erneuten Auflage an mehreren Samstagen statt, wobei einige der Termine aufgrund der Corona-Pandemie online durchgeführt wurden.

Infos zur aktuellen Schreibwerkstatt und Anmeldung hier

Texte aus dem ›Literarischen Kulturaustausch 2020‹ gibt es hier

Der (Sonnen-)Aufgang

Ein Hase, der sich für lange Zeit in seiner Höhle eingesperrt hatte, kam heraus mit den ersten Liedern der kleinen Vögel, die den Frühling ankündigten. Die winzigen Vögel kündigten dem Hasen auch ganz laut an, dass er sich frei fühlen könne, weil keine fleischfressenden Tiere mehr an seiner Höhle herumstreiften. Das war es, was den armen Hasen beunruhigt hatte. 
In seiner Einsamkeit hatte er sich jede Nacht vorgestellt, was er sofort tun würde, wenn der Geist der Bestien nicht mehr da wäre. Als erstes wollte er sich mit seinen Freunden treffen, die sich auch vor der Gefahr verbarrikadiert hatten. Er wollte hören, wie sie sich in ihrer Abgeschiedenheit gefühlt hatten und endlich wieder mit ihnen Blätterkartenspiele spielen. 
Dann wünschte er sich, ins Kino der kristallklaren Wasserbrunnen zu gehen, um die Sterne zu sehen, und sich dann auf dem Heimweg mit seinen Freunden darüber zu unterhalten. Er würde auch gerne lange Spaziergänge mit anderen Hasen und den Mäusen machen, Hirsche, Spinnen und Igelgruppen besuchen und lernen, den Sommertanz zu tanzen.
Die Sonne scheint jetzt sehr hell auf seinem Weg. Es ist Zeit, dass seine Wünsche in Erfüllung gehen.

Ohne Titel

unbeachtet den abstand
nicht mehr achtend
mit so viel nähe 
in den armen
fast zu fest zu drücken
das gegenüber
in der berührung 
wieder finden

Was wäre, wenn … ?

Ich schalte morgens das Radio ein und höre die Nachrichten. Über Nacht ist die Pandemie endlich aus unserem Leben verschwunden. Die Gegenmaßnahmen waren so erfolgreich, dass wir heute den Tag ohne Einschränkungen beginnen können, so, wie wir es bis vor einem Jahr unser Leben lang getan haben. Also ziehe ich mich erst einmal sorgfältig an, pflege mein Gesicht, mache mich schön. Nehme meinen Lieblingsrucksack aus der Ecke, stecke etwas Geld ein, ein Buch zum Lesen, vielleicht auch den Fotoapparat und ziehe los. Ohne eine Maske zu tragen oder sie in Bereitschaft zu haben. Fühle mich befreit und sehe in die mir entgegenziehenden Gesichter. Verstohlen erst, dann aber immer offener und bereit, andere anzusprechen. 
Es ist ein freundlicher Tag. Etwas Sonne, und warm ist es auch. Ich fahre mit der Straßenbahn in die Innenstadt, genieße das entspannte miteinander Unterwegssein. Fremd ist man sich immer noch. Wie seit jeher.
In der Stadt suche ich nach einem Café, gehe über den Blumenmarkt, empfinde Freude, so, als wäre ich nach einer fiebrigen Krankheit genesen. Wohlgefühl im ganzen Körper. Aufatmen und sehr viel Neugierde auf die nächste Begegnung. Vielleicht ein Wiedersehen und Gelegenheit für ein Gespräch. Es gibt so viel zu erzählen nach diesem langen Jahr.
Ich sammle Eindrücke, gehe Einkaufen. Suche mir ein Buch aus, kaufe etwas zum Anziehen und was mir im Vorbeigehen sonst noch gefällt und ich mir leisten mag. 
Abends werde ich eine Freundin, oder gleich mehrere Freundinnen zum Essen einladen.
Was heute wieder geht !


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