Im September ist Autorin und Biologin Sophia Klink für die Reihe Schreiben im Gespräch in Bremen zu Gast. Sie berichtet im Gespräch mit Jens Laloire und Livia Hott über das Mentorat fürs Autor*innenstipendium, ihre Schreibpraxis und ihren Weg zur Veröffentlichung. Du kennst sie noch nicht? Dann wird es höchste Zeit! Wir verraten dir, warum es sich lohnt, ihre Bücher zu lesen - und am 8. September dabei zu sein.
Annika Depping: Eine Gruppe Wissenschaftler*innen verbringt den Sommer seit Jahren auf einer Forschungsstation am Kurilensee in Kamtschatka, zählt Mikroorganismen, Lachse und Bären. Das Leben auf der Station ist karg. Inmitten giftiger Pflanzen ist die Nahrung rationiert, nur selten landet ein Hubschrauber. Jedes Jahr kommen weniger Lachse an, jedes Jahr nähert sich das Ökosystem mehr dem Kollaps. Jetzt müssen die Forscher*innen eine Entscheidung treffen: Soll der See gedüngt werden, um die Lachsbestände zu retten? Oder würde das nur eine noch größere Katastrophe heraufbeschwören?
Sophia Klink, selbst Mikrobiologin und Poetin, stellt in ihrem Roman die sachliche Wissenschaftssprache und poetisches Naturewriting gegenüber und bringt beide zusammen. Es gelingt ihr, die Poesie der Albumine und Aminosäuren eines Mückenstichs heraufzubeschwören oder den Zauber des Mikroskopierens in Worte zu fassen. Dabei kreist der Text um die Frage: Was sind die Grenzen und Reibungspunkte der Forschung? Dazu geht es um die Natur und den Klimawandel, unsere Rolle als Menschen und die der erzählenden Frau in der Gesellschaft und der Wissenschaft. Sophia Klink ist mit Kurilensee ein beeindruckendes Romandebüt gelungen!
KURILENSEE | Sophia Klink | ROMAN FVA | 2025 | 240 S. | €24,00
Jens Laloire: Mit diesen Gedichten und Prosa-Miniaturen ziehen wir ins Moor, stehen in Weizenfeldern und begegnen Füchsen, Bienen und Amseln. Und wir beugen uns übers Mikroskop, betrachten Gefäße, Blutkörperchen und Minerale. Die Natur ist allgegenwärtig in Sophia Klinks Debüt, das im wunderbaren hochroth Verlag erschienen ist und den zauberhaften Titel Ich lösche die Kirschen aus meinen Genen trägt. Der Titel bezieht sich auf ein Experiment mit Labormäusen, die auf den Geruch von Kirschen konditioniert wurden, um die epigenetische Vererbung von Traumata nachzuweisen. Das klingt wiederum weniger zauberhaft, sondern vielmehr nach Wissenschaft, und tatsächlich ist die 1993 in München geborene Klink studierte Biologin, die in ihre Texte immer wieder Fachbegriffe (wie zum Beispiel Glochidium, haploid oder Sporangium) einfließen lässt. Zur Entschlüsselung der Termini findet sich zum Glück ein Glossar am Ende dieses schmalen Büchleins, sodass sich nicht nur die Natur poetisch erkunden lässt, sondern man zugleich auch ein bisschen dazulernen kann. Das ist Nature Writing vom Feinsten.
ICH LÖSCHE DIE KIRSCHEN AUS MEINEN GENEN | Sophia Klink | LYRIK hochroth Verlag | 2025 | 54 S. | €10,00